Freitag, 6. Juli 2012

Phenylalkylamine


Einfuehrung in die grosse Gruppe der

Phenylalkylamine


Dies soll wirklich nur eine ganz kurze Einführung in die große und interessante Welt der ß-Phenylalkylamine sein und als Grundlage für das weitere Verständnis noch folgender Themen dienen, in denen Wirkstoffe aus dieser Gruppe und deren Herstellung vorgestellt werden. Die ß-Phenylethylamine sind Teilstruktur zahlreicher bekannter und bestimmt auch noch einer großen Zahl an unbekannten, schmerzstillenden und euphorisierenden Wirkstoffen natürlicher Herkunft. Sie sind ebenfalls das Stammskelett einer enormen Menge von nicht heterocyclischen Alkaloiden mit anregender bis berauschender Wirkung, zu denen unter anderen Ephedrin und Mescalin gehören, sie ist aber auch die Leitstruktur zahlreicher synthetischer Rauschdrogen wie Methamphetamin, MDA, oder MDMA.


Abbildung 1: In der Abbildung wird das ß-Phenylethylamin als fett gezeichnete Struktur gezeigt.


Diese ß-Phenylethylamin-Derivate werden systematisch weiterentwickelt um neue Wirkstoffe zu entwickeln die noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz oder Patentrechten unterliegen, wodurch sich vorübergehend ohne ein Risiko der Strafrechtlichen Verfolgung enorme Gewinnspannen erzielen lassen. Ein Grund für diese immensen Gewinne ist die relativ einfache Herstellung welche meist ohne großen Apparativen Aufwand in „Untergrund Laboren“ mit Hilfe einfacher Chemikalien durchgeführt werden kann.
Methoden dieser systematischen Weiterentwickelung sind z.B. der Austausch oder ein Wechsel von einer oder mehreren Positionen der Substituenten des Phenyl-Rings oder der Seitenkette, natürlich gibt es denkbar viele andere Möglichkeiten zur Manipulation dieser Struktur.


Bis heute sind über 300 ß-Phenylethylamine bekannt und hergestellt worden, es ist davon auszugehen das immer weitere dazu kommen werden. Zwei der am häufigsten vorkommenden Phenylalkylamine sind die ß-Phenylethylamine und die Phenylisopropylamine welche auch als α-Methyl-ß-phenylethylamine bzw. als Amphetamine bekannt sind.

Zu der Struktur-Wirkungsbeziehung kann man sagen das am ß-Phenylethylamin und besonders am Phenylisopropylamin-Typ auch Amphetamin-Typ genannt die umfassendsten Studien zur Klärung der optimalen Substitution durchgeführt wurden. Eine große Zahl an Verbindungen wurde synthetisiert und sowohl tierexperimentell als auch für viele Substanzen an Menschen auf ihre Wirkung getestet. Es ist durchaus bemerkenswert das sich dabei raus gestellt hat, dass das unsubstituierte ß-Phenylethylamin keinerlei psychotrope Wirkung aufweist.

Aus diesen zahlreichen Studien geht hervor das die chemische Struktur bei allen ß-Phenylalkylamine-Derivaten einen wesentlichen Einfluss auf ihre pharmakologische Wirkung der jeweiligen Verbindung hat. Die schafft eine sehr große Anzahl an Möglichkeiten, denn durch geeignete Substitution oder durch nur geringfügige Abwandlung einer bekannten psychoaktiven Verbindung können gezielt Molekühle mit neuen pharmakologischen Eigenschaften geschaffen werden. Aus dem umfangreichen Studiematerial lassen sich folgende grundlegende Struktur-Wirkungsbeziehungen ableiten [0]:

Phenylisopropylamin-Derivate wirken meist stärker als die entsprechenden ß-Phenylethylamine, 1-Phenyl-2-aminobutane und höhere 1-Phenyl-2-aminoalkane verlieren oft ihre Wirkung.

Alkylierung der Aminogruppe führt im Regelfall zu Wirkungs- abschwächung oder Wirkungsverlust.

Durch Ethylierung der Aminogruppe verliert das Phenylisopropylamin-Derivat die halluzinogene Wirkung gänzlich.

Einführung von Substituenten wie beispielsweise einer Methyl- oder Hydroxygruppe am ß-C-Atom der Seitenkette führt zu Wirkungsverlust.

Einschränkung der konformativen Beweglichkeit durch Einbau der Seitenkette in ein Ringsystem bedeutet im Regelfall Wirkungsverlust (bei vielen Tryptamin- und LSD-Derivaten trifft gerade das Gegenteil zu).

Mehrere Methoxy-Gruppen am Aromaten sind offenbar wesentlich. Zwei benachbarte Methoxy-Substituenten können auch durch eine Methylendioxy-Gruppierung ersetzt werden, was das Merkmal der meisten Entaktogene ist.

Besonders wichtig ist das Substitutionsmuster. Die wirkungsstärksten Präparate sind in Position 2 und 5 meist mit Methoxy-Gruppen substituiert. Dazu kommt ein Substituent an C-4, dessen Aufgabe wohl auch in der Blockierung eines metabolischen Angriffs an diesem C-Atom liegt, der das Molekül inaktiviert.

Ein hochwirksames Psychedelikum sollte demnach ein Phenylisopropylamin mit freier Aminogruppe, 2,5-Dimethoxy-Substitution und einem Substituenten an C-4 im Aromaten sein. Daraus ergibt sich die magische Zahl 2,4,5. Allen diesen Anforderungen wird beispielsweise DOM gerecht, welches eine geraume Zeit vor dem Erkennen dieser Struktur-Wirkungsbeziehungen erstmals 1967 bei einem großen Hippie-Fest in San Francisco unter der Bezeichnung „STP" auftauchte. In Lit. [53] sind QSAR-Studien über Struktur-Wirkungsbeziehungen zu finden.

Leider würde die ausführliche und umfangreiche Behandlung dieses Themas einen Blogbeitrag um ein vielfaches sprengen, aber ich kann jedem interessierten Leser nur wärmstens empfehlen dieses Thema anhand der aufgeführten Literatur und Quellenverweise weiter zu vertiefen, darüber hinaus könnt ihr auch unser Forum „Keezcorner“ besuchen und euch über hilfreiche Tipps und Tricks informieren oder an themenbezogenen Diskussionen teilnehmen. Auch wenn Euch einiges noch unklar ist oder Ihr ein Verfahren, Bezeichnungen oder irgendwelche Zusammenhänge noch nicht kennt oder noch nicht ganz verstanden habt solltet Ihr mal einen Blick in unsere Büchertipps werfen, dort haben wir ein breites Spektrum an Themengebieten abgedeckt, von Einstieg in die Organische Chemie, Anorganische Chemie, Toxikologie, über Referenzwerke der Pharmakologischen und Psychedelischen Chemie, bis hin zu Medikamenten- und Drogen-Design. Fast alle Werke in der Liste wurden bzw. werden mit einer Kurzreferenzen und Tipps für Einsatz, Nutzen und Gebrauch versehen. Euer KeezKitchen Team steht euch natürlich auch immer mit Rat und Tat zur Verfügung und wird täglich einige Fragen im Forum „KeezCorner“ beantworten, außerdem halten wir euch täglich über alle aktuellen Trends, neue Synthesen oder Stoffe und vieles mehr auf dem laufenden, aber eure Hausaufgaben müsst Ihr schon alleine machen. Viel Spaß dabei!



Bis zum naechsten mal, euer KeezKitchen Team






Literaturverzeichnis

[0] Psychedelische Chemie, Daniel Trachsel & Nicolas Richard, ISBN 3-907080-53-X ,Homepage: www.nachtschatten.ch

[1] Chemie unserer Zeit 1979, Nr. 5, 147-156.

[2] E. Breitmaier, Alkaloide: Betäubungsmittel, Halluzinogene und andere Wirkstoffe, Leitstrukturen aus der Natur, Teubner Verlag, 1997.

[3] Schweiz. Laborzeitschrift 5, 1997.

[53] Pharmakopsychiatrie 1998,





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